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Die Motorrad-Reviere im Elsass

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Das Elsass ist ein Reviere für Genussfahrer, die Kurven und Kultur in einem Tag verbinden wollen. Zwischen der Rheinebene im Osten und dem Vogesenkamm im Westen liegt ein schmaler, dichter Landstrich: unten die Elsässer Weinstraße mit ihren Fachwerkdörfern, darüber die Ostauffahrten in die Vogesen. Kein Tag kostet lange Anfahrten — Weinberg, Serpentine und Passhöhe liegen hier oft nur eine halbe Stunde auseinander. Wer aus Deutschland kommt, ist über die Rheinbrücken in Minuten mitten im Revier.

Die Elsässer Weinstraße als rote Achse

Die Route des Vins d'Alsace zieht sich am Vogesenfuß entlang von Norden nach Süden über rund 170 Kilometer und ist das Rückgrat jeder Elsass-Tour. Sie ist keine reine Panoramastraße, sondern ein Netz aus Verbindungssträßchen, die von Winzerort zu Winzerort führen — eng, gut belegt, mit stetem Rechts-Links durch die Rebhänge. Der Fahrwert liegt im Rhythmus: kurze Geraden, enge Ortsdurchfahrten aus Sandstein, dann wieder freie Sicht über die Ebene bis zum Schwarzwald. Als Basisroute lässt sie sich beliebig nach Westen in die Cols verlängern und nach Osten in die Ebene abbiegen.

Zur Weinstraße gehört ein nüchterner Hinweis, kein Genuss-Geschwätz: Wer fährt, verkostet nicht. Die Weingüter liegen dicht, die Versuchung ist groß, doch Probierschluck und Motorrad vertragen sich nicht. Kostproben gehören ans Ende der Fahretappe oder auf den Ruhetag.

Fachwerkdörfer als Etappenziele

Riquewihr, Kaysersberg, Eguisheim und Ribeauvillé sind die bekanntesten Stationen an der Weinstraße und liegen alle wenige Kilometer voneinander entfernt. Eguisheim ist konzentrisch um seine Burg angelegt und zählt zu den meistbesuchten Dörfern Frankreichs. Riquewihr steckt fast vollständig hinter seiner mittelalterlichen Mauer, was die Gassen eng und den Motorradverkehr entsprechend gebremst hält. Kaysersberg bewacht den Taleingang zum Weisstal, Ribeauvillé liegt unter drei Burgruinen. Für Fahrer heißt das: früh am Tag durchfahren, denn zur Mittagszeit sind die Ortskerne voll und die wenigen Parkflächen belegt. Der Reiz liegt im Ankommen, nicht im Durchheizen.

Die Ostauffahrten in die Vogesen

Das eigentliche Kurvenkapital des Elsass sind die Ostauffahrten: die Straßen, die von der Weinstraße aus die Vogesen erklimmen. Der Col de la Schlucht ist der klassische Übergang oberhalb von Munster und ganzjährig ein Fahrerpass mit gleichmäßigen, gut einsehbaren Kehren. Der Col du Bonhomme verbindet das Weisstal mit dem lothringischen Hinterland und ist die logische Auffahrt hinter Kaysersberg. Von der Weinstraße steigen diese Cols oft aus dem Rebland direkt in Nadelwald — der Belag wechselt, die Temperatur fällt, die Kurvenradien werden enger. Genau dieser Wechsel von Ebene, Weinberg und Waldserpentine macht die Ostflanke aus.

Von den Passhöhen führt die Route des Crêtes als Kammstraße nach Süden, unter anderem am Grand Ballon vorbei, der höchsten Erhebung der Vogesen. Sie gehört topografisch zum Kamm und damit in ein eigenes Kapitel, ist aber von den Elsässer Auffahrten aus direkt erreichbar und deshalb Teil fast jeder Tourplanung. Wichtig für die Reisezeit: Teile der Route des Crêtes sind im Winter gesperrt — den Öffnungsstand vor Anreise prüfen, da die Kammstraße bei Schnee früher zu und später wieder auf ist als die tieferen Cols.

Das Munstertal und der Käse

Zwischen Colmar und dem Col de la Schlucht öffnet sich das Munstertal (Vallée de Munster), das dem Munster-Käse den Namen gibt. Die Talstraße ist eine bequeme, breite Auffahrt und dient als schneller Zubringer zum Kamm, wenn die engen Weinstraßensträßchen zu voll sind. Der Käse wird auf den Höfen und Almen entlang der Auffahrt verkauft — ein sinnvoller Halt, weil er nüchtern konsumierbar ist und keine Verkostungsfalle darstellt. Das Tal ist außerdem der beste Ausgangspunkt, um Schlucht und Route des Crêtes in einer Schleife zu kombinieren.

Haut-Kœnigsbourg über der Ebene

Die Haut-Kœnigsbourg thront auf einem Vogesensporn oberhalb von Sélestat und ist die auffälligste Burg des Elsass. Die Zufahrt schraubt sich in engen, waldbeschatteten Kehren nach oben und ist eine lohnende Stichstraße von der Weinstraße aus — hinauffahren, oben umdrehen, mit anderer Kurvenrichtung zurück. Vom Vorplatz reicht der Blick über die gesamte Rheinebene bis zum Schwarzwald, was die Burg zum natürlichen Orientierungspunkt für die Region macht. An schönen Wochenenden ist die Zufahrt stark befahren; früh dort sein lohnt doppelt.

Colmar und Klein-Venedig

Colmar ist die heimliche Hauptstadt des Weinbaugebiets und liegt zentral an der Weinstraße. Das Viertel Klein-Venedig (La Petite Venise) mit seinen Fachwerkhäusern entlang der Lauch ist der bekannteste Punkt der Altstadt. Für Motorradfahrer ist Colmar weniger Durchfahrts- als Ankunftsziel: Die Altstadt ist weitgehend verkehrsberuhigt, also am Rand parken und zu Fuß hinein. Als Standort ist die Stadt ideal, weil Weinstraße, Munstertal und die südlichen Cols alle in Tagesreichweite liegen.

Straßburg und die Grande Île

Straßburg im Norden ist die Metropole des Elsass, überragt vom Münster aus rotem Vogesensandstein mit seiner einseitigen Turmspitze. Die Altstadtinsel Grande Île steht als Ganzes auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Stadt ist Motorrad-Endpunkt, nicht Fahrrevier: Der Verkehr ist dicht, die Insel weitgehend gesperrt. Wer den Norden fährt, kombiniert Straßburg als Kultur-Halbtag mit den ruhigeren Weinstraßenetappen weiter südlich. Aus Deutschland ist die Stadt über die Rheinbrücke bei Kehl direkt angebunden.

Anneau du Rhin bei Biltzheim

Südlich von Colmar liegt bei Biltzheim der Anneau du Rhin, eine permanente Rennstrecke mit regelmäßigen Trackdays und offenen Fahrten. Für sportlich orientierte Gäste ist das die Gelegenheit, das Kurvenkönnen abseits des öffentlichen Verkehrs auszuleben — Passstraßen sind kein Rennkurs, die Strecke schon. Die Nähe zum Weinstraßenrevier macht die Kombination attraktiv: vormittags Landstraße, nachmittags Rundkurs, ohne den Standort zu wechseln.

Ried und Rheinebene

Zwischen Weinstraße und Rhein erstreckt sich die flache Rheinebene mit dem Ried, der Auenlandschaft entlang von Ill und Rhein. Kurventechnisch ist das kein Höhepunkt, aber ein sinnvoller Gegenpol: schnelle, entspannte Verbindungsetappen, gerade Alleen und ruhige Nebenstraßen für den Transfer zwischen Nord und Süd. Wer nach einem Passtag die Hände lockern will, findet in der Ebene die Gegenbewegung. Der Ried eignet sich außerdem als kühlere, schattige Route an heißen Sommertagen.

Sundgau im Süden

Der Sundgau im äußersten Süden zwischen Mulhouse und der Schweizer Grenze ist der ruhigste Teil des Reviers. Das hügelige, dünn befahrene Vorland zu den Vogesen und dem Jura bietet weite Kurvenbögen ohne den Andrang der Weinstraße. Wer Ruhe sucht oder den Übergang zur Schweiz und zum Jura plant, findet hier den passenden Auslauf. Der Sundgau verbindet das Elsass südwärts mit dem Dreiländereck bei Basel.

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Rhein-Anschluss nach Deutschland und Schwarzwald

Die Ostgrenze des Elsass ist der Rhein, und die Brücken machen die Region zum Bindeglied zwischen zwei Kurvenrevieren. Über die Übergänge — etwa bei Breisach oder Kehl — steht der Schwarzwald mit seinen eigenen Passstraßen direkt gegenüber. Das eröffnet Rundtouren über beide Rheinseiten: Elsässer Weinstraße und Ostauffahrten hin, Schwarzwaldhöhen zurück. Für Gäste aus Deutschland ist die kurze Anreise das stärkste Argument — das Revier beginnt gleich hinter der Brücke.

Praktisches zur Tourplanung

Das Elsass ist ein Ganzjahresrevier mit klaren Einschränkungen in der Höhe. Die Weinstraße und die tieferen Ostauffahrten sind früh im Jahr fahrbar, während die Route des Crêtes in Teilen der Wintersperre unterliegt — deshalb den Öffnungsstand vor Anreise prüfen und Kammetappen im Frühjahr flexibel einplanen. Ein zentraler Standort an der Weinstraße, etwa im Raum Colmar, hält Cols, Munstertal, Burg und Ebene gleichermaßen in Tagesreichweite und erspart lange Verlegungen. So bleibt jeder Tag Fahrtag statt Anreisetag.

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